A woman captured – Eine gefangene Frau (Doku) + Filmgäste am 12. Oktober (Bundesstart)

  • Dokumentarfilm
  • HUN 2017
  • Ungarisch mit deutschen Untertiteln
  • Regie: Bernadett Tuza-Ritter
  • 89 Min
  • ab 12 Jahren
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • Do, 11. Oktober 2018 – So, 14. Oktober 2018 um 19:00 Uhr
  • Mi, 17. Oktober 2018 um 19:00 Uhr

Zur Vorstellung am 12 Oktober (um 19h) freuen wir uns auf Filmgäste und ein Gespräch im Anschluss an die Vorstellung.

A WOMAN CAPTURED – EINE GEFANGENE FRAU folgt über den Zeitraum einiger Jahre dem Leben einer Frau, die von einer Familie zehn Jahre lang als Haussklavin gehalten wurde – in der Form eines beobachtenden, abendfüllenden Dokumentarfilms. Er wurde fast ausschließlich in dem Haus gedreht, in dem sie eingesperrt war.

Regiestatement
Ich lernte eine Frau kennen, die Eta hieß und stolz darauf war, dass sie Bedienstete hatte. Das Gesicht einer ihrer Bediensteten ging mir nicht aus dem Kopf – Marisch: eine Frau, erst um die 50 Jahre alt, die aussah, als sei sie 70. Ein paar Jahre später sollte ich einen dokumentarischen Kurzfilm mit dem Thema „Ein Tag im Leben einer Person“ für die Uni machen und rief Eta an und fragte, ob ich zu ihr kommen und mit Marisch drehen könne. Sie war einverstanden. Damals war mir nicht klar, dass ich ein Haus betrat, in dem moderne Sklaverei stattfand, da ich das Phänomen nicht wirklich begriff.

Zu Anfang waren alle nett zu mir. Mit der Zeit jedoch begann das Bild zu bröckeln: Gesten der Aggression und Lügen traten auf, Marisch musste Eta bei allem um Erlaubnis fragen… langsam realisierte ich, dass ich es mit Kleinkriminellen zu tun hatte. Marisch bat mich, nicht die Polizei einzuschalten, da sie das nur noch mehr in Schwierigkeiten bringen würde: die ungarische Polizei bietet keinerlei Hilfe oder Schutz (weder physischer oder gesetzlicher Natur) für Betroffene wie sie. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie weiter aufzusuchen – deshalb bat ich um mehr Drehzeit, wofür Eta am Ende sogar noch Geld verlangte.
Ich erzähle die Geschichte von innen heraus. Obwohl es sehr unangenehme und beängstigende Dreharbeiten waren, fühle ich mich zutiefst geehrt, dass ich Marisch kennenlernen durfte und eine in Not geratene Person es mir gestattet hat, ihren Kampf um Würde festzuhalten. Ich glaube, dies wird den Zuschauern helfen, das Konzept häuslicher Sklaverei zu verstehen und mein Film soll ihnen für die Existenz dieses gravierenden sozialen Missstands die Augen öffnen.

Ich bin davon überzeugt, dass dieser Film westliche Zuschauer mit einer sehr unbequemem Angelegenheit konfrontieren wird: der Tatsache, dass Sklaverei in ihrer unmittelbaren Umgebung stattfindet. Sie ist nicht nur ein Dritte-Welt-Problem. Sie passiert überall. Der Ort an dem ich drehte, lag nicht im Verborgenen oder am Rande der Zivilisation – nein, er lag mitten in Europa. Ich möchte diese Geschichte erzählen, auf das Problem aufmerksam machen und eine breitere Diskussion darüber in Gang setzen. Ich komme aus einem Land in der EU, in dem die meisten Menschen noch nie von diesem Problem gehört haben und es fast keine staatlichen oder nichtstaatlichen Organisationen gibt, die sich auch nur im Entferntesten damit befassen.

Mein Anliegen war es, dem Publikum die Gefühle der Protagonistin und die erdrückenden Umstände, unter denen sie lebte, näher zu bringen. Die Kamera konzentriert sich auf die Stimmung und ihren emotionalen Zustand – damit wir verstehen, wie Jahre der menschenunwürdigen Behandlung die Opfer in ein psychologisches Gefängnis sperren. Die Sklavenhalter-Familie bleibt den ganzen Film über anonym, einzelne Körperteile, ihre Schatten, Stimmen und Gegenstände, die sie umgeben, sind die einzigen Indizien dafür, wer sie sind und wo sie leben. Mein Anliegen war es, diese Geschichte universell darzustellen – dieses Problem existiert überall auf der Welt.

Marischs Geschichte zeichnet das verstörende Bild einer Gesellschaft, die sich ihrer Werte unsicher ist, in der Menschenwürde leicht zu einer Ware verkommt. Sie gibt uns aber auch Hoffnung, weil sie zeigt, dass, wenn Menschen einander Aufmerksamkeit schenken, dies Leben retten kann. Vor allem aber ist A WOMEN CAPTURED EINE GEFANGENE FRAU die Geschichte einer Ermächtigung, es ist die Geschichte einer Frau, die ein großes Risiko eingeht, flieht und die schrecklichen Dinge, die ihr widerfahren sind, hinter sich lässt.