Allein unter Schwestern (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Sa, 23. Juni 2018 – So, 24. Juni 2018 um 15:00 Uhr
  • Sa, 30. Juni 2018 um 15:00 Uhr
  • So, 1. Juli 2018 um 15:00 Uhr
  • Sa, 7. Juli 2018 – So, 8. Juli 2018 um 15:00 Uhr

Nachdem sein Vater einen Herzinfarkt erlitten hat, muss sich Kos um das finanziell angeschlagene Familienhotel kümmern. Zu dumm, dass ausgerechnet jetzt ein Talentscout bei seinem Fußballverein vorbeikommen will. Hinzu kommt, dass sich der Teenager bei der Leitung des Hotels nicht auf seine Schwestern verlassen kann. Libbie hat Prüfungsstress, die rebellische Briek ist ohnehin von allem genervt und Pel ist schlicht noch zu klein. Da dauert es nicht lange, bis die Gläubiger auf der Matte stehen und Druck machen. Kos sieht nur eine Möglichkeit, um an Geld zu kommen: ein Sieg bei der Miss-Beach-Wahl. Doch Briek verstaut sich kurz davor den Knöchel. Da Libbie nicht teilnehmen will und Pel zu jung ist, bleibt nur eines: Kos muss sich als Mädchen verkleiden und zur Wahl antreten.

Regisseurin Ineke Houtman ist gleichermaßen im Kino wie im TV zu Hause. So inszenierte sie z.B. in den vergangenen Jahren einige Episoden der in ihrer Heimat äußerst erfolgreichen TV-Serie „Doktor Deen“. Gleichzeitig hat sie sich seit den frühen 00er-Jahren einen Namen als Regisseurin familientauglicher Filme gemacht. „Allein unter Schwestern“ ist ihr erster Kinofilm sei 2015. In der Hauptrolle ist der bekannte niederländische Jung-Darsteller Julian Ras zu sehen. Ras steht seit seinem neunten Lebensjahr vor der Kamera.

Ineke Houtman legt mit „Allein unter Schwestern“ einen turbulenten, enorm unterhaltsamen Familienfilm für Groß und Klein vor. Einen Film, der zudem den von Gefühlschaos geprägten Alltag Heranwachsender einfühlsam und glaubhaft auslotet. Dabei konzentriert sich Houtman aber nicht nur auf die Befindlichkeiten und das Innenleben von Kos, der von Julian Ras mit viel Ausdruck und Besonnenheit verkörpert wird. Auch mit dem Kummer und den Nöten der Schwestern befasst sich der Film ausgiebig. Es ist ein intelligenter Schachzug, die Lebenswelten der Figuren in den unterschiedlichen Altersstufen bzw. Etappen des Erwachsenwerdens anzusiedeln.

So hat die schwer pubertäre Briek ganz andere Interessen und Probleme als die ein paar Jahre ältere Libbie. Und die jüngste von allen, Pel, leidet ohnehin am meisten unter dem Fehlen der Mutter, die vor ein paar Jahren ums Leben kam. Am Beispiel von ihr widmet sich Houtman einfühlsam dem Schmerz junger Menschen, denen die wichtigste Bezugsperson abhanden gekommen ist. Pel gehören demnach auch einige der rührendsten Momente im Film. Doch geht es in „Allein unter Schwestern“ bei Weitem nicht nur um die Themen Verantwortung, Verlust, Trauer und Identitätsfindung. Auch das erste Verlieben und die ganz großen Träume werden thematisiert, und zwar in Gestalt von Kos. Er träumt von einer großen Fußball-Karriere und ist heimlich in seine Mitschülerin verliebt.

Pfiffig und schräg wird es gerade im letzten Drittel. Und zwar sobald sich Kos in Frauenkleider wirft und Schminke aufträgt, um die Gewinnsumme bei der Miss-Wahl abzusahnen. In Zuge seiner „Verwandlung“ kommt es zu etlichen heiteren Missverständnissen und ulkigen Zufällen. Pointiert und augenzwinkernd bedient sich Houtman dabei nicht zuletzt gängiger Geschlechter- und Rollenbilder-Klischees, nur um sie kurz darauf auf schwarzhumorige Weise bewusst ins Absurde zu verkehren.

Gelungen ist zudem, wie die Regisseurin ganz am Schluss zwei gegensätzliche Dinge miteinander vereint: Glück und Pech, Sieg und Niederlage. Da sieht man dann auch darüber hinweg, dass die musikalische Untermalung hier und da zu aufdringlich erscheint und vom Geschehen auf der Leinwand ablenkt – die einzige nennenswerte Schwäche des Films.

Björn Schneider (programmkino.de)