Sonntagsmatinee: An Elephant sitting still (OmU) (Bundesstart)

  • Drama
  • CHN 2018
  • Originalfassung mit Untertiteln
  • Regie: Hu Bo
  • 228 Min
  • FSK nicht bekannt
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • So, 18. November 2018 um 12:30 Uhr

Das sweetSixteen-Kino lädt ein zur Sonntagsmatinee mit einem sehr besonderen Meisterwerk. Bringt ein bißchen Zeit und Muße mit – es lohnt sich!

Regulärer Eintritt + Überlängenzuschlag


Im nordchinesischen Manzhouli soll es einen Elefanten geben, der einfach nur dasitzt und die Welt ignoriert. Manzhouli wird zur fixen Idee für die Helden dieses Films, zum erhofften Ausweg aus der Abwärtsspirale, in der sie sich befinden. Wie Bu, der in Notwehr den Schulschläger Shuai die Treppe hinunterschupst. Shuais Familie will Rache, doch sein Gangster-Bruder hat andere Probleme, als Bu zu jagen; er fühlt sich für den Suizid eines Freundes verantwortlich. Und dann sind da noch Bus Mitschülerin Ling, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, um ihrem lieblosen Zuhause zu entkommen, und Herr Wang, dessen Sohn ihn ins Altersheim abschieben will. Alle ihre Schicksale sind untrennbar miteinander verknüpft.

In virtuosen Bildkompositionen erzählt der Film einen einzigen spannungsgeladenen Tag vom Morgengrauen bis zum Abend, wenn endlich der Zug nach Manzhouli abfahren soll. Hu Bo, der in China bereits mit seinen Romanen Aufsehen erregte, gibt mit diesem vierstündigen Porträt einer Gesellschaft von Egoisten sein elektrisierendes Regiedebüt. Tragischerweise ist es zugleich sein Testament.

Mythen des Alltags
„Er fand, in der Schönheit der Welt lag ein Geheimnis verborgen. Er fand, der Herzschlag der Welt hatte einen furchtbar hohen Preis; das Gleichgewicht zwischen Schmerz und Schönheit der Welt verschob sich mal hierhin, mal dorthin, und in Zeiten krasser Unausgewogenheit wog vielleicht der Anblick einer einzigen Blume das Blut zahlloser Menschen auf.“ Ein Zitat aus dem Roman „All die schönen Pferde“ (1992) von Cormac McCarthy – und zugleich das Thema dieses Films. Es fällt uns immer schwerer, Vertrauen auch nur in die winzigsten Dinge zu haben. Die Enttäuschung darüber ist kennzeichnend für die heutige Gesellschaft. In AN ELEPHANT SITTING STILL geht es um persönliche Mythen inmitten des Alltags. Am Ende verliert jeder Mensch das, was ihm am meisten bedeutet. (Hu Bo)

Hu Bo, * 1988 in Jinan (China), , auch unter seinem Schriftstellerpseudonym Hu Qian bekannt, studierte Filmregie an der Beijing Film Academy. Nach zwei Kurzfilmen war An Elephant Sitting Still sein erster abendfüllender Film. Am 12. Oktober 2017 nahm sich der 29 Jahre junge Künstler das Leben. Filme: 2014: Distant Father. Fleeing by Night. 2018: AN ELEPHANT SITTING STILL.

Pressestimmen

  • „Ein Meisterstück aus China“ Christiane Peitz, Tagesspiegel
  • „Der an einem einzigen Tag spielende „Elephant“ ist eine chinesische, ganz ungöttliche, ganz melancholische Komödie, eine Geschichte vom Menschen und seinen Anfechtungen, wie sie nur alle Jubeljahre gelingt, ein Meisterwerk, das ergriffen macht.“ Alexander Kissler, www.cicero.de
  • „Der beste Film der Berlinale.“ Dunja Bialas; www.artechock.de/film
  • „AN ELEPHANT SITTING STILL should become an enduring classic … with its chilling sense of a suspended time in which history, culture, beauty, and even memory seem erased, it is among the greatest recent films.“ Richard Brody; www.newyorker.com