Bekas – Die Abenteuer von zwei Superhelden

Vorführungen:

  • Do, 16. August 2018 – So, 19. August 2018 um 15:00 Uhr

Die kurdischen Brüder Zana und Dana haben ihre Eltern im ersten Golfkrieg verloren. 1990 rüstet Saddam Hussein bereits für seinen Einmarsch in Kuweit auf. Das ganze Land ist militarisiert, Zana und Dana kennen keinen anderen Zustand. Sie leben auf der Straße, verdienen sich Geld durch Schuheputzen, und schlafen nachts auf Dächern, die die Tagwärme gespeichert haben. Als einmal „Superman“ im Dorfkino gezeigt wird, schauen sie heimlich durch ein Dachfenster zu, müssen dafür aber die Prügel des Besitzers in Kauf nehmen. Überhaupt kriegen sie viele Schläge, vor allem der jüngere Zana, der bei dem kleinsten Vergehen von Erwachsenen brutal bestraft wird. Als hätten Kinder keinen Wert in dieser Welt. Als dann noch der alte blinde Baba Khalid stirbt, der Zana „seinen Sohn“ genannt und ihn manchmal in seiner kleinen, düsteren Werkstatt aufgenommen hatte, gibt es für die beiden Brüder nur noch ein Ziel: Sie wollen weg, nach Amerika, dorthin, wo „Superman“ ihrer Meinung nach wohnt.

Mit dem Wissen um Amerikas Rolle nicht nur in diesem Krieg, kann man diesen Wunschtraum natürlich ironisch betrachten. Bei einem Kinderpublikum ist es fraglich, ob sie die Ironie, die mitschwingt, überhaupt wahrnehmen, geschweige denn verstehen können. Überhaupt wirkt der Film in Bezug auf den politischen Hintergrund, vor dem die Geschichte spielt, seltsam naiv, was vielleicht dem Umstand geschuldet ist, dass der junge Regisseur seine eigenen Kindheitserfahrungen verarbeitet hat. Er war selbst als Sechsjähriger während des Iranisch-Irakischen Krieges mit seinen Eltern von Kurdistan nach Schweden geflohen. Mit dem Film versucht er, vor allem das kindliche Erleben dieser Flucht, der Illegalität, der Angst, und der Ohnmacht gegenüber den Erwachsenen zu zeigen. Das gelingt ihm gut.

In traumhaft schönen Bildern erzählt er vom harten Leben dieser beiden Jungen, die in einem Alter sind, in dem Kinder hierzulande durchweg behütet und umsorgt werden. Die Atmosphäre, die oft durch ein ganz ungewöhnliches Licht entsteht, überträgt sehr unmittelbar etwas von dieser fremden Welt. Wenn sich die beiden Jungs zwei Eimer Wasser erbetteln, diese unter Mühen auf ein Dach befördern, um sich dort einmal gründlich zu waschen, entfaltet der Film eine schöne Sinnlichkeit, die mehr vom Leben der beiden Waisen erzählt, als die manchmal etwas hölzern wirkenden Dialoge. Auch wenn sie nach einem anstrengenden Tag hinauslaufen, vor einer gewaltigen Bergkulisse in die Weite schauen und sich nach einem Amerika hinübersehnen, von dem sie noch nicht einmal auf der Karte zeigen können, wo es sich befindet, sind das sehr eindringliche Bilder ihrer kindlichen Sehnsucht.
Besonders der kleinere der Beiden beeindruckt mit der Intensität, mit der er sich durch sein Leben beißt, und die ganz und gar erwachsen scheint. In manchen Momenten korrespondiert dann die archaische, gleichnishafte Sprache der Jungen mit der Kraft der Bilder. An anderer Stelle wirkt das eher konstruiert.

Im letzten Drittel des Filmes spitzen sich die dramatischen Situationen zu. Die Beiden werden getrennt, finden wieder zusammen, überstehen lebensgefährliche Situationen beim Versuch, eine Grenze zu übertreten. Und immer wieder geht es um Vertrauen und ihr bedingungsloses Verbundensein, das mehrere Male auf die Probe gestellt wird, weil der ältere Dana eigentlich mehr die Nähe zu einem bestimmten Mädchen sucht, als wirklich nach Amerika zu wollen. Als er dann auf eine Landmine tritt und jede weitere Bewegung ihn zu zerfetzen droht, steigert sich die Dramatik zwischen den Brüdern ins Unerträgliche. Damit kommt der Film aber auch an seine Grenzen, wenn er diese sehr realistische Bedrohungssituation benutzt, um die Bruderliebe gleichnishaft einer finalen Zerreissprobe zu unterziehen.

Auch deshalb lässt der Film einen etwas ratlos zurück, zumal die poetische Ebene, die Erfüllung des Traums von einer besseren Zukunft in Form von zwei geklauten Colaflaschen, in ihrer ironischen Grundhaltung diffus bleibt. Da ist das Bild, wie sie ihre Reise auf einem kleinen tapferen Esel beginnen, der zwischenzeitlich auch noch einen alten Mann und dessen Karren zieht, vielschichtiger. Denn während der Alte über die schlimmen Verheißungen von Satellitenschüsseln schimpft, übt er neue englische Worte mit den beiden Jungs. So widersprüchlich muss man das dann wohl stehen lassen.

Caren Pfeil (Programmkino.de)