Die grüne Lüge (Doku) (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Mo, 9. April 2018 um 19:00 Uhr
  • Mo, 16. April 2018 um 17:00 Uhr
  • Mo, 23. April 2018 um 17:00 Uhr

Umweltschonende Elektroautos, nachhaltig produzierte Lebensmittel, faire Produktion: Hurra! Wenn wir den Konzernen Glauben schenken, können wir mit Kaufentscheidungen die Welt retten. Aber das ist eine populäre und gefährliche Lüge. Gemeinsam mit der Greenwashing-Expertin Kathrin Hartmann zeigt Werner Boote („Plastic Planet“, „Alles unter Kontrolle“) in seinem neuen Dokumentarfilm, wie wir uns dagegen wehren können.

Regiestatement von Werner Boote

„Nach dem düsteren Blick auf die Industrie in `Plastic Planet´ ist es an der Zeit zu zeigen, dass es auch Konzerne gibt, die nachhaltig und fair produzieren.“ – Mit dieser Filmidee trat Produzent Markus Pauser im Frühjahr 2011 an mich heran und wir hatten beide keine Ahnung, welche riesigen Abgründe sich da für uns auftun würden!Die ersten Recherchen führten zu jenen Unternehmen, die in der öffentlichen Me

inung ein positives Image hatten. Ich traf mich mit Fairtrade und ähnlichen respektierten Vereinen und Organisationen und erfuhr, dass Produkte keineswegs hundertprozentig nachhaltig sein müssen, nur weil grüne Slogans auf den Verpackungen kleben. Meist bezieht sich die Kennzeichnung nur auf einzelne Bestandteile der Produkte unddavon muss oft auch nur ein geringer Bruchteil tatsächlich nachhaltig sein. – Mit der Zeit fiel mir auf, dass ich keinen Konzern finden konnte, der mich `nachhaltig überzeugte´. Im Gegen

teil! – Und wie einfach es ist, sich trotzdem ei n grünes Mäntelchen umzuhängen, stellte ich fest, als mir bei einer Veranstaltung in Berlin ein Vertreter eines bekannten deutschen Prüf- und Gütesiegelanbieters vorschlug, gegen Bezahlung von Euro 3.000,- meinen neuen Film mit dem Prädikat `CO2 neutral´ zu zertifizieren. Da war mir klar: Dieser neue Film wird ein wichtiger Film.„Kann man umweltfreundlich leben?“, war die zentrale Frage einer spätabendlichen Ausgabe der legendären Diskussionssendung `CLUB 2´ im Österreichischen Rundfunk, die anlässlich meines Films `Plastic Planet´ im Oktober 2011 abgehalten wurde. Inmitten von VertreterInnen der Industrie saß da auch Kathrin Hartmann. Die Münchner Journalistin, Autorin (`Das Ende der Märchenstunde´) und Expertin für Greenwashing nahm wortgewandt die hinterlistigen Statements der Geschäftsleute auseinander und legte auf kompetente Weise
die Profitinteressen der umweltzerstörerischen Konzerne offen.

Zu diesem Zeitpunkt spielte ich bereits mit dem Gedanken, einmal etwas Neues auszuprobieren und einen Dokumentarfilm mit einer Filmpartnerin zu machen. Denn wir sind es zwar gewohnt, die Gedanken des Dokumentarfilmers durch die „Stimme aus dem Off“ zuerfahren, viel unmittelbarer und reizvoller erschien es mir jedoch, Gedanken live vor der Kamera und inmitten des Geschehens auszudiskutieren. Kathrin Hartmann war einverstanden und so beschlossen wir, die grünen Lüge n der Konzerne filmisch darzustellen und gemeinsam aufzudecken.Wie umfangreich die Ökolügen der Industrie sind, zeigte sich schon alleine dadurch, dass wir v

iele unterschiedliche Fälle in allen nur erdenklichen Branchen penibel recherchierten und die Methoden und Vorgangsweisen der Konzerne immer dieselben waren. Die in THE GREEN LIE gezeigten Fälle stehen daher exemplarisch für alle Branchen und zeigen, wie sich die Industrie generell verhält. Umso wichtiger wurde es, im Film Verbesserungsvorschläge anzubieten und nach Lösungsansätzen zu suchen. Dass diese jedoch ein generelles Überdenken des derzeitigen Wirtschaftssystems abverlangen, wurde mir erst im Laufe der Arbeit deutlich.Weltweit gibt es viele Menschen und Organisationen, die im Spannungsfeld mit den Konzernen auf der Seite dieses Films stehen. Wenn immer mehr Menschen die zerstörerischen Mechanismen der Konzerne und des deregulierten Kapitalismus verstehen, wird es uns vielleicht einmal gelingen, ein System zu schaffen, das keine grüne Lügen mehr braucht. Menschen, die im 16. Jahrhundert parlamentarische Demokratie forderten, wurden damals auch als Träumer abgetan. Mittlerweile wird dieses Regierungssystem vielerorts geübt. Heute dürfen, ja müssen wir von einem demokratischen Weltwirtschaftssystem träumen, wenn wir das schützen möchten, was wir am meisten brauchen: das Recht der Menschen und die Rechte der Natur.