Die Reste meines Lebens (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 25. Mai 2017 – So, 28. Mai 2017 um 19:00 Uhr
  • Di, 30. Mai 2017 – Mi, 31. Mai 2017 um 21:00 Uhr
  • Do, 1. Juni 2017 – So, 4. Juni 2017 um 21:00 Uhr
  • Di, 6. Juni 2017 – Mi, 7. Juni 2017 um 17:00 Uhr

Schimon May kann sich glücklich schätzen – er hat seine kindliche Passion, das Hantieren mit dem Mikrofon und einem Aufzeichnungsgerät, das Jonglieren mit Worten, Tönen und Musik zu seinem Beruf gemacht, hat in San Francisco gelebt und dort ein Tonstudio aufgebaut, hat seine Frau Jella kennengelernt und ist mit dieser in seine süddeutsche Heimat zurückgekehrt. Die beiden sind gerade erst angekommen, das erste Kind ist unterwegs – und dann passiert das Unfassbare: Durch eine Verkettung unglücklichster Umstände und Zufälle sieht sich Schimon von einem Moment auf den anderen all seiner Gewissheiten beraubt. Sein Leben ist auf den Kopf gestellt – und ausgerechnet in dieser schwersten Zeit seines Lebens lernt er die hinreißende Milena kennen. Aber: Kann man das überhaupt – sich mitten im größten Unglück Hals über Kopf verlieben? Ist angesichts der frischen Trauer so etwas Umwerfendes wie Liebe überhaupt möglich? Oder ist es nicht vielmehr eine Illusion, eine emotionale Übersprunghandlung, die versucht, die Schockstarre durch etwas anderes zu ersetzen?

Wie die Schalen einer Zwiebel entfaltet Die Reste meines Lebens die verschiedenen Handlungsstränge, Episoden, Zeitschichten und Perspektiven auf ein traumatisches Ereignis und bleibt dabei stets überraschend und bewegend. Bemerkenswert daran ist nicht allein die verschachtelte und komplexe Erzählweise, die die gesamte Tragik des Hergangs erst nach und nach enthüllt und dem Zuschauer manche Nuss mit auf den Weg durch die Geschichte gibt (ich gestehe, dass ich einer scheinbaren Unstimmigkeit des Plots erst nach langem Nachdenken und mehrmaligem Sehen auf die Schliche gekommen bin – und sie löste sich wunderbar und ohne jeden Fehler auf). Mindestens ebenso einnehmend ist die Atmosphäre, in die Jens Wischnewski seinen irritierend ambivalenten Film taucht: Es sind Bilder voller sommerlicher Wärme und flirrender Heiterkeit, vor deren Hintergrund der Zuschauer ebenso wie Schimon in der trügerischen Sicherheit gewogen wird, es handele sich dabei um einen Liebesfilm und nicht um eine Studie über Trauer, Verarbeitung und Verdrängung.