Ein Sack voller Murmeln (Bundesstart)

  • Drama
  • FR/CAN/CZE 2017
  • Regie: Christian Duguay
  • 113 Min
  • FBW Prädikat besonders wertvoll
  • FSK: ab 6 Jahren
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • Do, 17. August 2017 – So, 20. August 2017 um 19:00 Uhr
  • Di, 22. August 2017 – Mi, 23. August 2017 um 17:00 Uhr
  • Do, 24. August 2017 – So, 27. August 2017 um 17:00 Uhr
  • Di, 29. August 2017 – Mi, 30. August 2017 um 21:00 Uhr

Paris, 1941. Weil es in der besetzten Hauptstadt zu gefährlich geworden ist, plant die jüdische Familie Joffo die Flucht nach Südfrankreich, das noch nicht in deutscher Hand ist. Eine gemeinsame Reise wäre zu auffällig, daher schicken die Eltern den zehnjährigen Joseph und seinen älteren Bruder Maurice allein auf den Weg. Ein gefährliches Abenteuer erwartet die Jungen, denn niemand darf erfahren, dass sie Juden sind. Doch dank ihres Mutes und Einfallsreichtums schaffen sie es immer wieder, den Besatzern zu entkommen. Wird es ihnen gelingen, ihre Familie in Freiheit wiederzusehen?

Pressenotiz
Die berührende Verfilmung des auf der Lebensgeschichte von Joseph Joffo basierenden Bestsellers erzählt in großen Bildern von zwei Brüdern, die auf ihrem Weg in die Freiheit allen Widerständen trotzen. Der Film besticht vor allem durch die herausragende Leistung der Schauspieler, allen voran der beiden jungen Hauptdarsteller Dorian Le Clech und Batyste Fleurial Palmieri, die sich neben renommierten Kollegen wie Patrick Bruel („Der Vorname“) und Christian Clavier („Monsieur Claude und seine Töchter“) nicht verstecken brauchen.

Joseph Joffo im Interview

WIE KAM ES ZU DER VERFILMUNG?
Zuerst hatte ich eine wunderbare Begegnung mit dem Filmproduzenten Jean-Charles Lévy, der es mir ermöglichte, Nicolas Duval von QUAD Productions kennenzulernen. Das Projekt hat mich sehr schnell überzeugt. Nach Jacques Doillons Verfilmung vor über 40 Jahren wollte ich, dass meine wahre Geschichte erzählt wird. Christian Duguay hat sehr authentische Bilder erschaffen. Ich denke, dass meine Leser das wahrnehmen werden.

SIND SIE CHRISTIAN DUGUAY FRÜH BEGEGNET? WIE VERLIEF DIESE BEGEGNUNG?
Die Begegnung war einfach wunderbar. Er zeigte mir zuerst seinen Film „Jappeloup – Eine Legende“, der mir sehr gut gefallen hat. Danach sah ich seinen Film über Hitler. Über so ein Thema macht man nicht zufällig einen Film. Er schien mir ganz eindeutig der Richtige für diesen Film zu sein, und ich habe mich nicht geirrt.

DENKEN SIE, ALS KANADIER HAT ER EINEN BLICK VON AUSSEN AUF DIE EREIGNISSE IM FILM?
Er ist das dritte Auge. Wir haben alle unterschiedliche Sichtweisen auf das, was während des Krieges geschah. Christian war wunderbar, weil er die richtige Mischung gefunden hat: Er übertrieb nirgends und blieb objektiv, obwohl er seinen Blickwinkel als Drehbuchautor und Regisseur einbrachte.

WAS DENKEN SIE DARÜBER, DASS CHRISTIAN DUGUAY DIE VATERBEZIEHUNG BETONT HAT?
Als die Kinder und der Vater wieder vereint sind, gibt er Jo eine Ohrfeige, die ihn schockiert. Mein Vater hatte die Pogrome erlebt. Er war ein harter Mann, der vor dem Krieg im Pariser Viertel Montmartre gelebt hatte. Es ging dort zu wie in Brooklyn in den Dreißigerjahren, wie man es aus „Es war einmal in Amerika“ kennt. Ich sage Ihnen, so etwas prägt den Charakter …

FUNGIERTEN SIE ALS BERATER WÄHREND DER DREHARBEITEN?
Ja, insbesondere für die Erstellung der Kulissen, wie den Friseursalon in Nizza. Das umgebaute Restaurant war übrigens so realitätsgetreu, dass eine Dame hineinkam und ausrief: „Oh, endlich ein normaler Friseursalon!“ Darüber mussten wir sehr lachen.

WIE FANDEN SIE DIE SCHAUSPIELER?
Anfangs hatte ich Zweifel in Bezug auf Patrick Bruel, aber er ist ein großartiger Schauspieler und verkörpert meinen Vater auf unglaubliche Weise. Elsa Zylberstein war wunderbar, und Christian Clavier stellt Dr. Rosen so gut dar, dass ich seine Kultrolle als Jacquouille la Fripouille in „Die Besucher“ ganz vergaß. Und das will etwas heißen!

UND DIE KINDER?
Sie waren wunderbar überzeugt und entschlossen. Mitten im Winter, vor dem Sturm in Nizza, gingen sie sogar ohne zu zögern ins Wasser. Ich habe viel mit ihnen gesprochen. Sie wollten wissen, ob alles wahr ist, was im Buch steht. Ich sagte ihnen, dass es sogar hinter der Wahrheit zurückbleibt, weil ich wollte, dass das Buch das Leben betont und zeigt, dass Kinder eine Chance haben, davonzukommen. Es sollte den Lesern Platz für Hoffnung lassen und zeigen, dass man mit viel Mut überleben kann.

WIE FÜHRTE CHRISTIAN BEI DEN KINDERN REGIE?
Christian liebt seinen Beruf und ist sehr gut darin, anderen zuzuhören. Es gelang ihm, sie zu führen, ohne das Gefühl zu vermitteln, etwas zu befehlen. Sie kamen seinen Wünschen sogar zuvor und nahmen aktiv am Film teil.

WAS EMPFANDEN SIE, ALS SIE DEN FILM ZUM ERSTEN MAL SAHEN?
Er war gerade erst geschnitten worden und noch nicht ganz fertiggestellt. Dennoch bekam ich Gänsehaut und musste weinen. Meiner Meinung nach hat Christian Duguay hier den besten Film seines Lebens gemacht.

DENKEN SIE, DER FILM HAT EINE BOTSCHAFT FÜR DAS HEUTIGE PUBLIKUM?
Momentan hallt meine Geschichte besonders laut wider. Aufgrund des Terrorismus müssen auch heute noch Kinder fliehen. Wie wir vor 50 Jahren sind sie vollkommen allein und auf sich gestellt unterwegs. Ich hoffe, der Film bringt uns alle dazu, über das Schicksal dieser Kinder und der zerrissenen Familien nachzudenken.