Es war einmal Indianerland (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 19. Oktober 2017 – So, 22. Oktober 2017 um 19:00 Uhr
  • Di, 24. Oktober 2017 – Mi, 25. Oktober 2017 um 17:00 Uhr
  • Do, 26. Oktober 2017 – So, 29. Oktober 2017 um 17:00 Uhr
  • Di, 31. Oktober 2017 um 21:00 Uhr
  • Mi, 1. November 2017 um 21:00 Uhr

Mauser ist 17 und lebt in den Hochhaussiedlungen am Rand der Stadt. Im selben Wohnblock haust sein Vater Zöllner mit seiner neuen Frau Laura. Mauser hat keine Zukunft, aber sein Vater bläut ihm dennoch ein, an sich zu Glauben, nicht zuletzt im Boxring, wo in ein paar Tagen wichtige Ausscheidungskämpfe stattfinden, die Mauser vielleicht sogar doch einen Ausweg bieten könnten.Vielleicht sogar in die Welt der hinreißenden Jackie, die Mauser eines Nachts bei einer illegalen Party im Schwimmbad kennen gelernt hat. Sofort war er verliebt, auch wenn Jackie ihn gewarnt hat: Eitel, zickig und unkeusch sei sie, doch das kann Mauser nicht aufhalten. Dabei interessiert sich gerade auch ein viel passenderes Mädchen für ihn: Die 21jährige Edda, die zwar etwas ausgeflippt aussieht, aber eine Erdung hat, von der Mauser noch weit entfernt ist.

Als dann auch noch seine Stiefmutter tot aufgefunden wird und sich sein Vater als augenscheinlicher Täter aus dem Staub gemacht hat und Mauser zudem immer wieder einen stummen Indianer sieht, gerät sein Leben erst richtig aus den Fugen. Passenderweise laufen alle Fäden bei einem Pow Wow genannten Festival zusammen, das im Zeichen von Drogen und Selbstfindung steht.

Wie fulminant „Es war einmal Indianerland“ beginnt, mit wie viel visueller und erzählerischer Originalität, ist man gerade aus dem deutschen Kino nur selten gewohnt. Ja, wenn da Mauser in lakonischen Sätzen über sein Leben berichtet, die Figuren in rasanten Montagen vorgestellt werden, dann erinnert das ebenso an „Trainspotting“, wie die ständig vor und zurückspulende – im wahrsten Sinne des Wortes – Erzählung, an narrative Experimente eines Tarantinos denken lässt. Doch hier sind die Zitate nicht bloß betont clever, hier beweist ein Regisseur nicht nur, dass er sich in der (jüngeren) Filmgeschichte auskennt, hier ist das Zitat der Beginn von etwas Eigenem.

Das Grundgerüst der Geschichte ist zwar eine klassische, auch im deutschen Kino gern variierte Teenie-Romanze inklusive Selbstfindung, doch einmal mehr beweist sich auch hier, dass es darauf ankommt, wie das bekannte erzählt wird, vor allem auch mit welcher Haltung. So überdreht ist die visuelle Gestaltung oft, so voller prägnanter, immer leicht stilisierter Dialoge, dass „Es war einmal Indianerland“ Gefahr laufen würde, viel zu abgehoben und selbstbezogen zu werden, wenn er nicht so gut austariert wäre.

Ohne die Bodenhaftung der Figuren, besonders der aus dem Hochhausghetto, ohne die Wahrhaftigkeit der Emotionen, die als Auslöser des Geschehens nicht nur behauptet werden, sondern echt wirken, wäre dies wohl nur ein müder Abklatsch bekannter Vorbilder geworden. Doch Ilker Catak gelingt etwas im deutschen Kino nicht allzu oft zu findendes: Ein origineller, verspielter, emotionaler Film, der zwar im Kern eine Teenie-Geschichte erzählt, aber doch viel mehr ist.