In den letzten Tagen der Stadt / OT: Akher ayam el madina (OmU)

  • Drama
  • DE/GB/EGY/RE 2016
  • Original mit deutschen Untertiteln
  • Regie: Tamer El Said
  • 114 Min
  • FSK nicht bekannt
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • Mo, 23. Oktober 2017 um 20:00 Uhr
  • Mo, 30. Oktober 2017 um 20:00 Uhr

Kurzfristig haben wir noch diesen besonderen Film ins Programm genommen (findet ihr also auch nicht Programmheft).

Kairo im Jahr 2009, zwei Jahre vor der ägyptischen Revolution. Khalid ist Filmemacher und arbeitet an einem Porträt seiner Heimatstadt. Immer wieder sieht er seine Bilder an, als warte er darauf, dass sie einen Sinn ergeben. Die Geschichten seiner Protagonist*innen scheinen von irgendwoher aus seinem Inneren zu stammen, in der Außenwelt sucht er nach Anknüpfungspunkten, doch je mehr er sucht, desto mehr scheinen sie zu verschwinden.

Nicht abrupt, sondern in Momenten voller Zartheit verabschiedet er sich von seiner Freundin, die ihn verlässt, von seiner kranken Mutter, von Freunden, die auf Besuch in der Stadt waren. Für sie stellt Kairo einen Fixpunkt da: Der Eine hat Bagdad verlassen und lebt als Flüchtling in Berlin, der Andere ist dort geblieben, der Dritte lebt im aufgewühlten Beirut. Als sie beschließen, Khalid Videomaterial aus ihren Städten zu schicken, geht es weniger darum, ihm bei seinem Film zu helfen, als dadurch die Verbindung zu etwas aufrechtzuerhalten, was sie noch in Kairo verorten, wohl wissend, dass es bereits ein Phantasma ist.

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REGISSEUR
Tamer El Said wurde 1972 in Kairo (Ägypten) geboren. Er studierte Film am Higher Institute of Cinema der Academy of Arts in Kairo sowie Journalismus an der Cairo University. Er realisierte mehrere Dokumentarfilme und kurze Spielfilme und gründete 2007 die unabhängige Filmproduktionsfirma Zero Production in Kairo. Tamer El Said gehört außerdem zu den Gründern von Cimatheque – Alternative Film Centre in Egypt. Er lebt in Kairo. IN DEN LETZTEN TAGEN DER STADT (Org. Titel: Akher ayam el madina) ist sein erster abendfüllender Spielfilm.

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JURYBEGRÜNDUNG
Begründung der Caligari-Jury: „Eine märchenhafte Suche nach der verlorenen Zeit und dabei ganz gegenwärtiges, hellwaches Kino. Ein Film der essayistisch ist, fiktional und dokumentarisch, ein Film über das Filmemachen, ein intimes Selbstportrait und eine Betrachtung des letzten Sommers vor der Revolution – nostalgisch, sinnlich, klug. Wie erzählt man im Kino das Universum einer Stadt? Diese Frage beantwortet dieser Film aufs Überzeugendste: nämlich fragmentarisch, mit wachem Auge sich dem Zufall hingebend und zugleich mit ausgefeilter Inszenierungskunst. Dies ist ein Film, der große Vorbilder kennt, ob sie nun Rossellini heißen, Godard, Chris Marker oder vielleicht auch Dominik Graf – der sich aber nie sklavisch von ihnen abhängig macht. Er stellt uns indirekt und voller stilistischer List unter der Hand eine ganze Region vor, die viel zu Unrecht lange im Schatten lag, und jetzt zwar im Fokus liegt, aber von den Wolken der Dummheit und der Vorurteile wieder verdunkelt wird. Dieser Film ist ein Paradebeispiel dafür, dass es im Kino nicht darum geht, „politische Filme zu machen, sondern politisch Filme zu machen“ (Godard). Das ist: Engagement und künstlerischer Aktivismus jenseits des allzu-Erwartbaren.“

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AUSZEICHNUNGEN
Caligari Preis, Berlinale Forum
Best Film Arab Critics Award
Grand Prix, New Horizons
Best Director, Bafici
Best Film, Festival des 3 Continents
Best Film & Youth Audience Prize, Nantes Les 3 Continents
UNESCO Cultural Diversity Award

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VORSTELLUNGEN
Mo, 23. Oktober 2017 um 20:00 Uhr
Mo, 30. Oktober 2017 um 20:00 Uhr

EINTRITT pro Vorstellung: 7 Euro / 6 Euro ermäßigt

Im Sweetsixteen Kino, siehe: http://sweetsixteen-kino.de/filme/in-den-letzten-tagen-der-stadt-akher-ayam-el-madina/