Tom of Finland (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 12. Oktober 2017 – Sa, 14. Oktober 2017 um 21:00 Uhr
  • Mi, 18. Oktober 2017 um 19:00 Uhr

Hinweis: im Rahmen des European Art Cinema Day am Sonntag, 15. Oktober läuft dieser Film um 21h bei uns im Programm und kostet nur 5 Euro Eintritt, siehe: European Art Cinema Day 2017 im sweetSixteen-Kino.

Touko Valio Laaksonen wurde 1920 geboren, kämpfte im Zweiten Weltkrieg kurze Zeit für die deutsche Armee, die Finnland besetzt hielten. Mit Bildern der nationalsozialistischen Truppen beginnt auch Dome Karukosis biographischer Film über den später als Tom of Finland berühmt gewordenen Künstler, der lange brauchte, bis er seine Bestimmung fand, bzw. akzeptierte. Wie in praktisch allen anderen Ländern der westlichen Welt war Homosexualität auch in Finnland lange verboten, konnten Schwule sich nur im geheimen finden, etwa in Parks, in denen sie allerdings auch ständig der Gefahr ausgesetzt waren, von der Polizei verhaftet zu werden.

In diesem Kontext wuchs Laaksonen auf, entdeckte seine Homosexualität und begann, erste Zeichnungen von schwulen Männern zu fertigen. Erst zu seinem eigenen Vergnügen, bald in ersten Versuchen, sie zu verkaufen, im Untergrund, in geheimen Clubs. In der Öffentlichkeit führte er ein gesittetes Leben, arbeitet als Werbezeichner, lebte mit seiner Schwester zusammen, die lange nichts von seiner Neigung ahnte. Lange Jahre vergingen so, Jahre, die Karukosi wie einen unaufhaltsamen Fluss zusammenführt, ohne besonders auf die gesellschaftlichen Umstände einzugehen, die Laaksonens Leben begleiten.

Bald lebt er offenbar recht offen mit einem Mann zusammen, veröffentlicht seine Zeichnungen in Magazinen in Amerika, wo er bald zu einer Ikone der Schwulenbewegung wird. Erste Aufenthalte in Amerika konfrontieren ihn mit einem viel offeneren schwulen Leben, das jedoch bald von der Katastrophe des AIDS-Virus unterminiert wird. Doch die unverblümt sexuellen Zeichnungen des inzwischen als Tom of Finland berühmten Zeichners symbolisieren wie wenig anderes die zunehmende Akzeptanz von schwulem Leben, von schwulem Begehren.

Zahlreiche Kunstprojekte förderte die finnische Regierung anlässlich des 100. Jubiläums des finnischen Staates am 6. Dezember diesen Jahres, und das dabei nicht nur Künstler wie Johan Sibelius oder Aki Kaurismäki gedacht wird, sondern auch einem lange Zeit verpönten Zeichner wie Touko Laaksonen, sagt vieles über die sich verändernden Zeiten. Mit seinen unverkennbaren, markanten Zeichnungen von muskulösen Schwulen, oft in klischeehaften Outfits, mal als Biker, mal als Seemänner, prägte Laaksonen den Blick und den Stil der homosexuellen Kultur wie wohl kaum ein anderer.